Industriemeister Glas - Musterprüfung Orga II

:blue_book: Industriemeister Glas – Musterprüfung 2: Organisation HQ

Handlungsspezifische Qualifikationen – Organisation
:page_facing_up: Musterprüfung | :triangular_ruler: 14 Aufgaben | :stopwatch: Bearbeitungszeit: 90 Minuten


:factory: Ausgangssituation

Die Firma GlasVision GmbH produziert hochwertige Behältergläser in mehreren Formlinien. Durch steigende Energiepreise und neue Marktanforderungen wurde ein strategisches Investitions- und Optimierungsprogramm beschlossen. Als Industriemeister Organisation sind Sie in Entscheidungs-, Planungs- und Umsetzungsprozesse eingebunden. Sie verantworten Personalplanung, Kapazitätssteuerung, Kostenrechnung, KVP und betriebsorganisatorische Fragen.


:gear: Aufgabe 1 – Maschinenstundensatz Werkzeugbau

Handlungsbereich: Organisation – Kostenrechnung / Maschinenkosten
Firma: GlasVision GmbH


:brick: Ausgangssituation

Die GlasVision GmbH möchte für eine neue CNC-Fräsmaschine den Maschinenstundensatz berechnen. Diese Maschine ist im Werkzeugbau im Einsatz. Folgende Daten sind gegeben:

  • Kaufpreis: 280.000 €
  • Wiederbeschaffungswert: +20 % vom Kaufpreis → 336.000 €
  • Restwert: 12.000 €
  • Nutzungsdauer: 8 Jahre
  • Kalkulatorischer Zinssatz: 7 %
  • Raumkosten: 12,50 €/m² · Monat
  • Flächenbedarf: 40 m²
  • Instandhaltungskosten: 31.500 €/Jahr, davon 60 % fix
  • Werkzeugkosten: 3,75 €/Maschinenstunde
  • Stromverbrauch: 36 kW, Strompreis: 0,20 €/kWh
  • Stromgrundgebühr: 50 €/Monat
  • Versicherungsprämie: 1.648 €/Jahr
  • Monatliche Auslastung: 420 h = 5.040 h/Jahr

:magnifying_glass_tilted_left: Aufgabenstellung

Berechnen Sie den Maschinenstundensatz für die gegebene Auslastung unter Berücksichtigung aller fixen und variablen maschinenabhängigen Kosten.


Lösung

1. Kalkulatorische Abschreibung

(336.000 € – 12.000 €) / 8 Jahre = 40.500 €/Jahr  

2. Kalkulatorische Zinsen

(280.000 € + 12.000 €) / 2 × 0,07 = 10.220 €/Jahr  

3. Raumkosten

40 m² × 12,50 € × 12 Monate = 6.000 €/Jahr  

4. Instandhaltungskosten (fixer Anteil)

31.500 € × 0,6 = 18.900 €/Jahr  

5. Werkzeugkosten

3,75 € × 5.040 h = 18.900 €/Jahr  

6. Energiekosten

36 kW × 0,20 €/kWh × 5.040 h = 36.288 €  
Grundgebühr: 12 × 50 € = 600 €  
→ Summe Energie = 36.888 €/Jahr  

7. Versicherung

= 1.648 €/Jahr  

8. Gesamtkosten pro Jahr

40.500 + 10.220 + 6.000 + 18.900 + 18.900 + 36.888 + 1.648 = 133.056 €  

9. Maschinenstundensatz

133.056 € / 5.040 h = 26,39 €/h  

:white_check_mark: Antwort: Der Maschinenstundensatz beträgt 26,39 €/h


:briefcase: Aufgabe 2 – Investitionsentscheidung per Kosten- und Gewinnvergleich

Handlungsbereich: Organisation – Wirtschaftlichkeitsrechnung
Firma: GlasVision GmbH


:brick: Ausgangssituation

Die GlasVision GmbH möchte in eine neue Extrusionsanlage investieren. Zwei alternative Maschinen stehen zur Wahl. Die Entscheidung soll auf Basis von Kostenvergleichsrechnung, kritischer Auslastung und Gewinnvergleichsrechnung getroffen werden.

Kennzahlen Anlage 1 Anlage 2
Anschaffungskosten (€) 440.000 770.000
Restwert (€) 20.000 160.000
Nutzungsdauer (Jahre) 8 8
kalk. Zinssatz (%) 5 5
Sonstige Fixkosten/Jahr (€) 15.000 10.500
Variable Kosten/h (€) 74 66
Maschinenlaufzeit p.a. (h) 5.100 5.100
Umsatz je Stunde (€) 110 130

:magnifying_glass_tilted_left: Aufgabenstellung

a) Führen Sie eine vollständige Kostenvergleichsrechnung durch.

b) Ermitteln Sie die kritische Maschinenlaufzeit, ab der sich Anlage 2 gegenüber Anlage 1 rechnet.

c) Führen Sie eine Gewinnvergleichsrechnung durch und treffen Sie eine begründete Entscheidung.


Lösung

a) Kostenvergleichsrechnung

Kalk. Abschreibung:

Anlage 1: (440.000 – 20.000) / 8 = 52.500 €  
Anlage 2: (770.000 – 160.000) / 8 = 76.250 €

Kalk. Zinsen:

Anlage 1: (440.000 + 20.000) / 2 × 0,05 = 11.500 €  
Anlage 2: (770.000 + 160.000) / 2 × 0,05 = 23.250 €

Fixkosten/Jahr:

Anlage 1: 52.500 + 11.500 + 15.000 = 79.000 €  
Anlage 2: 76.250 + 23.250 + 10.500 = 110.000 €

Variable Kosten/Jahr:

Anlage 1: 74 × 5.100 = 377.400 €  
Anlage 2: 66 × 5.100 = 336.600 €

Gesamtkosten:

Anlage 1: 456.400 €  
Anlage 2: 446.600 €

→ Anlage 2 ist bei 5.100 h günstiger.


b) Kritische Laufzeit

Differenz Fixkosten: 110.000 – 79.000 = 31.000 €  
Differenz variable Kosten/h: 74 – 66 = 8 €  
→ xkrit = 31.000 / 8 = 3.875 h

→ Ab 3.875 Stunden ist Anlage 2 günstiger.


c) Gewinnvergleichsrechnung

Umsatz p.a.:

Anlage 1: 110 × 5.100 = 561.000 €  
Anlage 2: 130 × 5.100 = 663.000 €

Gewinn:

Anlage 1: 561.000 – 456.400 = 104.600 €  
Anlage 2: 663.000 – 446.600 = 216.400 €

→ Anlage 2 bringt den höheren Gewinn.

Empfehlung:
→ Bei der geplanten Auslastung Anlage 2 anschaffen – sie ist wirtschaftlicher.


:bar_chart: Aufgabe 3 – Zuschlagskalkulation mit Listenverkaufspreis

Handlungsbereich: Organisation – Kalkulation und Preisfindung
Firma: GlasVision GmbH


:brick: Ausgangssituation

Für einen Kundenauftrag fertigt die GlasVision GmbH ein spezielles Frästeil. Der Vertrieb benötigt den kalkulierten Listenverkaufspreis als Angebot.

Gegeben:

  • Fertigungsmaterial: 200 €
  • Materialgemeinkostenzuschlag: 10 %
  • Fertigungszeiten:
    • Abteilung A: 4 h à 25 €/h
    • Abteilung B: 6 h à 30 €/h
  • Fertigungsgemeinkostenzuschläge:
    • Abteilung A: 120 %
    • Abteilung B: 200 %
  • Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten: 10 %
  • Gewinnzuschlag: 20 %
  • Rabatt: 20 %
  • Skonto: 2 %

:magnifying_glass_tilted_left: Aufgabenstellung

a) Berechnen Sie den Selbstkostenpreis.
b) Ermitteln Sie daraus den Listenverkaufspreis, unter Berücksichtigung von Skonto und Rabatt.


Lösung

a) Ermittlung der Selbstkosten

Materialkosten:

Fertigungsmaterial: 200 €  
Materialgemeinkosten: 200 € × 0,10 = 20 €  
→ Materialkosten = 220 €

Fertigungskosten:

Abteilung A:

Lohn: 4 × 25 € = 100 €  
FGK A: 100 € × 1,20 = 120 €  
→ Fertigungskosten A = 220 €

Abteilung B:

Lohn: 6 × 30 € = 180 €  
FGK B: 180 € × 2,00 = 360 €  
→ Fertigungskosten B = 540 €

Herstellkosten:

220 € (Material) + 220 € + 540 € = 980 €

Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten:

980 € × 0,10 = 98 €

Selbstkosten:

980 € + 98 € = 1.078 €

b) Verkaufskalkulation

+ Gewinn (20 %):

1.078 € × 0,20 = 215,60 €  
Barverkaufspreis = 1.293,60 €

+ Skonto (2 %):

1.293,60 € / 0,98 = 1.320 €

+ Rabatt (20 %):

1.320 € / 0,80 = 1.650 €

:white_check_mark: Listenverkaufspreis: 1.650 €


:brain: Aufgabe 4 – Theorie: Führungsstile und Führungsverhalten

Handlungsbereich: Organisation – Personalführung
Firma: GlasVision GmbH


:brick: Ausgangssituation

In der GlasVision GmbH wird ein neuer Schichtleiter eingearbeitet. Sie begleiten ihn als Industriemeister. Er fragt Sie nach den Unterschieden verschiedener Führungsstile und deren Wirkung auf das Team.


:magnifying_glass_tilted_left: Aufgabenstellung

a) Nennen Sie die vier klassischen Führungsstile und beschreiben Sie jeweils ein typisches Merkmal.

b) Erklären Sie den Unterschied zwischen Führungsstil und Führungsverhalten.

c) Nennen Sie zwei Vorteile des kooperativen Führungsstils und einen Nachteil des autoritären Führungsstils.


Lösung

a) Vier klassische Führungsstile + Merkmal:

  1. Autoritär:
    → Der Vorgesetzte entscheidet und ordnet allein an. Keine Beteiligung der Mitarbeitenden.

  2. Kooperativ:
    → Mitarbeitende werden einbezogen, Vorschläge werden gemeinsam erarbeitet.

  3. Laissez-faire:
    → Mitarbeitende arbeiten eigenständig, der Vorgesetzte greift kaum ein.

  4. Situativ:
    → Der Führungsstil wird je nach Situation und Reifegrad der Mitarbeitenden angepasst.


b) Unterschied Führungsstil vs. Führungsverhalten:

  • Führungsstil:
    → Grundhaltung einer Führungskraft, die über längere Zeit gleich bleibt.

  • Führungsverhalten:
    → Konkret gezeigte Verhaltensweise, abhängig von der jeweiligen Situation.
    → Führungsverhalten kann kurzfristig variieren.


c) Vorteile/Nachteil:

Kooperativer Stil – Vorteile:

  • Erhöhte Motivation durch Mitsprache
  • Besseres Verständnis für betriebliche Zusammenhänge

Autoritärer Stil – Nachteil:

  • Gefahr der Demotivation und fehlender Eigeninitiative

:receipt: Aufgabe 5 – Zuschlagskalkulation (einstufig) mit vollständigem Schema

Handlungsbereich: Organisation – Kostenrechnung / Vollkostenkalkulation
Firma: GlasVision GmbH


:brick: Ausgangssituation

Die GlasVision GmbH möchte für einen Spezialauftrag ein Angebot erstellen. Grundlage ist eine vollständige Zuschlagskalkulation nach dem einstufigen Schema. Alle Gemeinkostenzuschläge stammen aus dem Betriebsabrechnungsbogen.


:magnifying_glass_tilted_left: Gegeben:

  • Fertigungsmaterial: 200 kg à 20 € = 4.000 €
  • Materialgemeinkostenzuschlag: 40 %
  • Fertigungslohn: 12 Stunden à 20 € = 240 €
  • Fertigungsgemeinkostenzuschlag: 200 %
  • Verwaltungsgemeinkostenzuschlag: 40 %
  • Vertriebsgemeinkostenzuschlag: 15 %

:pushpin: Aufgabenstellung

Berechnen Sie die Selbstkosten des Auftrags nach dem vollständigen Zuschlagskalkulationsschema.


Lösung

1. Materialkosten:

Materialeinzelkosten (MEK): 200 kg × 20 € = 4.000 €  
+ MGK (40 %) = 4.000 € × 0.40 = 1.600 €  
→ Materialkosten (MK) = 5.600 €

2. Fertigungskosten:

Fertigungslöhne (FLK): 12 h × 20 € = 240 €  
+ FGK (200 %) = 240 € × 2.00 = 480 €  
→ Fertigungskosten (FK) = 720 €

3. Herstellkosten (HK):

MK + FK = 5.600 € + 720 € = 6.320 €

4. Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten:

VwGK (40 %) = 6.320 € × 0.40 = 2.528 €  
VtGK (15 %) = 6.320 € × 0.15 = 948 €

5. Selbstkosten (SK):

6.320 € + 2.528 € + 948 € = 9.796 €

:white_check_mark: Die Selbstkosten betragen 9.796 €


:light_bulb: Aufgabe 6 – Theorie: Motivation nach Herzberg

Handlungsbereich: Organisation – Mitarbeitermotivation & Personalführung
Firma: GlasVision GmbH


:brick: Ausgangssituation

In der GlasVision GmbH gibt es Pläne, die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden durch gezielte Motivationsmaßnahmen zu erhöhen. Als Industriemeister sollen Sie dem Betriebsleiter ein Konzept vorstellen, das sich auf bewährte Motivationstheorien stützt.


:magnifying_glass_tilted_left: Aufgabenstellung

a) Erklären Sie die Grundidee der Zwei-Faktoren-Theorie von Frederick Herzberg.

b) Nennen Sie je drei Beispiele für Hygienefaktoren und Motivatoren.

c) Begründen Sie, warum Hygienefaktoren allein keine Motivation erzeugen.


Lösung

a) Grundidee der Zwei-Faktoren-Theorie:

Herzberg unterscheidet zwei Arten von Einflussfaktoren:

  • Hygienefaktoren:
    Diese müssen erfüllt sein, damit keine Unzufriedenheit entsteht. Sie motivieren jedoch nicht aktiv.

  • Motivatoren:
    Diese fördern echte Zufriedenheit und Arbeitsmotivation, wenn sie positiv ausgeprägt sind.


b) Beispiele für beide Gruppen:

Hygienefaktoren:

  • Arbeitsplatzsicherheit
  • Entgelt / Bezahlung
  • Führungsstil

Motivatoren:

  • Arbeitsinhalt
  • Anerkennung für Leistung
  • Entwicklungsmöglichkeiten

c) Begründung:

Hygienefaktoren vermeiden lediglich Unzufriedenheit.
→ Sie werden als selbstverständlich wahrgenommen.
→ Ihre Erfüllung führt nicht automatisch zu Engagement oder Leistungsbereitschaft.
Nur Motivatoren (z. B. Verantwortung, Anerkennung) führen zu echter Motivation.


:chart_increasing: Aufgabe 7 – Sortimentsentscheidung mittels Deckungsbeitragsrechnung

Handlungsbereich: Organisation – Teilkostenrechnung / Produktentscheidung
Firma: GlasVision GmbH


:brick: Ausgangssituation

Die GlasVision GmbH produziert drei verschiedene Glasbehälter-Modelle. Es liegt eine Kapazitätsengpasssituation vor. Es wird geprüft, ob eines der Modelle aufgrund niedriger Deckungsbeiträge aus dem Sortiment genommen werden sollte. Die folgenden Daten wurden zur Auswertung bereitgestellt:

Modell Absatzmenge Preis/Stück Variable Kosten/Stück Fixkosten gesamt
„Standard“ 6.000 500 € 160 € 4.000.000 €
„Premium“ 4.000 900 € 750 €
„Spezial“ 2.000 2.200 € 900 €

:magnifying_glass_tilted_left: Aufgabenstellung

a) Berechnen Sie den Deckungsbeitrag je Stück, den Deckungsbeitrag je Produkt, den Gesamtdeckungsbeitrag sowie das Betriebsergebnis.

b) Welche Sortimentsentscheidung ergibt sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht?


Lösung

a) Deckungsbeitrag pro Stück:

Standard: 500 € – 160 € = 340 €  
Premium: 900 € – 750 € = 150 €  
Spezial: 2.200 € – 900 € = 1.300 €

Deckungsbeitrag je Produkt:

Standard: 6.000 × 340 € = 2.040.000 €  
Premium: 4.000 × 150 € = 600.000 €  
Spezial: 2.000 × 1.300 € = 2.600.000 €

Gesamtdeckungsbeitrag:

2.040.000 € + 600.000 € + 2.600.000 € = 5.240.000 €

Betriebsergebnis:

5.240.000 € – 4.500.000 € = 740.000 €

b) Sortimentsentscheidung:

  • Der Artikel mit dem geringsten DB ist Modell „Premium“ mit nur 150 €/Stück
  • Bei Engpass: zuerst prüfen, ob eine Umlenkung der Kapazität auf „Spezial“ möglich ist
  • Da alle Produkte positiven Deckungsbeitrag haben, trägt jedes zur Fixkostendeckung bei
  • Keine voreilige Sortimentsstreichung, ohne Engpassanalyse
    → Empfehlung: Premium ggf. durch höherwertige Produkte mit besserem DB ersetzen, aber nicht einfach streichen.

:busts_in_silhouette: Aufgabe 8 – Theorie: Erfolgreiche Teamarbeit und Teamorganisation

Handlungsbereich: Organisation – Führung und Zusammenarbeit
Firma: GlasVision GmbH


:brick: Ausgangssituation

In der Produktionsabteilung der GlasVision GmbH sollen verstärkt Projektteams eingesetzt werden. Die Geschäftsführung bittet Sie, als erfahrener Industriemeister, um eine fundierte Einschätzung zu Aufbau, Vorteilen und Herausforderungen von Teamorganisation.


:magnifying_glass_tilted_left: Aufgabenstellung

a) Nennen Sie drei wichtige Kriterien, die bei der Zusammenstellung eines effektiven Teams beachtet werden sollten.

b) Nennen Sie zwei Vorteile und zwei Nachteile der Teamorganisation.

c) Warum ist ein interdisziplinäres Team in der Produktion von Vorteil?


Lösung

a) Drei Kriterien bei der Teambildung:

  • Fachliche Qualifikation und Erfahrung
  • Teamfähigkeit und Sozialkompetenz der Mitglieder
  • Ausgewogene Teamgröße (ideal: 5–10 Personen)

b) Vorteile der Teamorganisation:

  • Höherer Leistungsgrad durch gegenseitige Motivation
  • Höhere Identifikation mit den Ergebnissen

Nachteile:

  • Unklare Kompetenzverteilung kann Konflikte fördern
  • Höherer Abstimmungsaufwand bei Entscheidungen

c) Interdisziplinäres Team – Vorteile:

  • Unterschiedliche Perspektiven fördern kreative Problemlösungen
  • Fachwissen wird gebündelt → bessere Qualität und Effizienz
  • Fördert gegenseitiges Lernen und Verständnis zwischen Abteilungen

:bar_chart: Aufgabe 9 – Zuschlagskalkulation mit Gewinn, Skonto & Rabatt

Handlungsbereich: Organisation – Preisermittlung nach Vollkosten
Firma: GlasVision GmbH


:brick: Ausgangssituation

Die GlasVision GmbH erstellt eine Angebotspreiskalkulation für eine neue Produktserie. Grundlage ist eine vollständige Zuschlagskalkulation, bei der alle relevanten Zuschläge wie Vertreterprovision, Skonto, Rabatt und Zielpreis berücksichtigt werden.


:magnifying_glass_tilted_left: Aufgabenstellung

a) Ermitteln Sie den vollständigen Listenverkaufspreis pro Stück auf Basis folgender Werte:

  • Materialeinzelkosten: 290,00 €
  • Materialgemeinkosten: 10 %
  • Fertigungslohn Bestückung: 7,50 €
  • Maschinenkosten Bestückung: 26,00 €
  • Rest-FGK Bestückung: 120 % von 7,50 €
  • Fertigungslohn Prüffeld: 16,50 €
  • FGK Prüffeld: 280 % von 16,50 €
  • Sondereinzelkosten Fertigung: 5,80 €
  • VwGK: 9 %
  • VtGK: 7 %
  • Gewinn: 10 %
  • Skonto: 2 %
  • Vertreterprovision: 10 %
  • Rabatt: 5 %

Lösung

1. Materialkosten:

MEK = 290,00 €  
MGK = 10 % = 29,00 €  
→ Materialkosten = 319,00 €

2. Fertigungskosten:

Bestückung:  
Fertigungslöhne = 7,50 €  
Maschinenkosten = 26,00 €  
Rest-FGK = 7,50 € × 1,20 = 9,00 €  
→ Summe = 42,50 €

Prüffeld:  
Fertigungslöhne = 16,50 €  
FGK = 16,50 € × 2,80 = 46,20 €  
→ Summe = 62,70 €

Sondereinzelkosten Fertigung = 5,80 €

→ Fertigungskosten gesamt = 42,50 € + 62,70 € + 5,80 € = 111,00 €

3. Herstellkosten:

319,00 € + 111,00 € = 430,00 €

4. Verwaltungs- und Vertriebskosten:

VwGK = 430,00 € × 0,09 = 38,70 €  
VtGK = 430,00 € × 0,07 = 30,10 €

5. Selbstkosten:

430,00 + 38,70 + 30,10 = 498,80 €

6. Gewinnzuschlag:

498,80 € × 0,10 = 49,88 €  
→ Barverkaufspreis = 548,68 €

7. Skonto & Vertreterprovision:

Skonto = 548,68 × 0,02 = 10,97 €  
Vertreterprovision = 548,68 × 0,10 = 54,87 €  
→ Zielverkaufspreis = 548,68 + 10,97 + 54,87 = 614,52 €

8. Rabatt:

614,52 € / 0,95 = 646,86 €

:white_check_mark: Listenverkaufspreis: 646,86 €


:speaking_head: Aufgabe 10 – Theorie: Mitarbeitergespräche professionell führen

Handlungsbereich: Organisation – Kommunikation & Personalführung
Firma: GlasVision GmbH


:brick: Ausgangssituation

Im Rahmen der Führungsaufgaben ist es Aufgabe der Meister, regelmäßige Mitarbeitergespräche durchzuführen. Dabei gilt es, sowohl eine professionelle Gesprächsführung als auch eine systematische Vorbereitung und Nachbereitung sicherzustellen. Ein neu eingesetzter Schichtleiter bittet Sie um Orientierungshilfe für bevorstehende Beurteilungs- und Entwicklungsgespräche.


:magnifying_glass_tilted_left: Aufgabenstellung

a) Beschreiben Sie den üblichen Ablauf eines strukturierten Mitarbeitergesprächs (mindestens drei Hauptphasen).

b) Erläutern Sie, welche Verhaltensweisen Sie als Führungskraft im Gespräch mit schwierigen Mitarbeitenden anwenden sollten.

c) Nennen Sie zwei wichtige Grundregeln zur Protokollierung und Nachbereitung eines Mitarbeitergesprächs.


Lösung

a) Ablauf eines Mitarbeitergesprächs:

  1. Einleitung:

    • Begrüßung, Ziel und Anlass des Gesprächs erläutern
    • Offenheit signalisieren, Gesprächsatmosphäre schaffen
  2. Hauptteil:

    • Inhaltliches Thema bearbeiten (z. B. Leistung, Entwicklung, Probleme)
    • Mitarbeiter aktiv einbeziehen, eigene Meinung äußern lassen
  3. Abschluss:

    • Gemeinsame Ergebnisse festhalten
    • Maßnahmen und Ziele vereinbaren
    • Verbindliche Fristen und Verantwortlichkeiten klären
  4. Nachbereitung:

    • Gespräch reflektieren
    • Protokoll erstellen
    • Maßnahmenverfolgung einleiten

b) Gesprächsverhalten bei schwierigen Mitarbeitenden:

  • Ruhig bleiben, deeskalierend wirken
  • Aktives Zuhören, Gesprächspartner ausreden lassen
  • Keine Schuldzuweisungen, sondern sachlich bleiben
  • Kritik sachbezogen, nie persönlich formulieren
  • Klärende Fragen stellen, Verständnis zeigen
  • Maßnahmen gemeinsam erarbeiten

c) Zwei Grundregeln zur Protokollierung:

  • Schriftliche Dokumentation ist Pflicht → Transparenz für alle Beteiligten
  • Protokoll enthält: Themen, getroffene Entscheidungen, Maßnahmen mit Fristen und Verantwortlichen
  • Nachverfolgung wichtig zur Umsetzung der Gesprächsergebnisse

:abacus: Aufgabe 11 – Investitionsentscheidung mittels Kostenvergleich

Handlungsbereich: Organisation – Kostenrechnung & Investition
Firma: GlasVision GmbH


:brick: Ausgangssituation

Die GlasVision GmbH möchte eine neue Extrusionsanlage anschaffen. Zwei Alternativen stehen zur Wahl. Die Entscheidung soll anhand einer vollständigen Kostenvergleichsrechnung erfolgen.


:magnifying_glass_tilted_left: Gegeben:

Anlage 1:

  • Anschaffungskosten: 440.000 €
  • Restwert: 20.000 €
  • Nutzungsdauer: 8 Jahre
  • kalk. Zinssatz: 5 %
  • sonstige Fixkosten: 15.000 €/Jahr
  • variable Kosten/Jahr: 377.400 €

Anlage 2:

  • Anschaffungskosten: 770.000 €
  • Restwert: 160.000 €
  • Nutzungsdauer: 8 Jahre
  • kalk. Zinssatz: 5 %
  • sonstige Fixkosten: 10.500 €/Jahr
  • variable Kosten/Jahr: 336.600 €

:magnifying_glass_tilted_left: Aufgabenstellung

a) Erstellen Sie eine vollständige Kostenvergleichsrechnung beider Anlagen.
b) Entscheiden Sie, welche Anlage wirtschaftlich vorteilhafter ist.


Lösung

1. Kalkulatorische Abschreibung (jährlich):

Anlage 1: (440.000 – 20.000) / 8 = 52.500 €  
Anlage 2: (770.000 – 160.000) / 8 = 76.250 €

2. Kalkulatorische Zinsen:

Anlage 1: (440.000 + 20.000) / 2 × 0,05 = 11.500 €  
Anlage 2: (770.000 + 160.000) / 2 × 0,05 = 23.250 €

3. Gesamte Fixkosten:

Anlage 1: 52.500 + 11.500 + 15.000 = 79.000 €  
Anlage 2: 76.250 + 23.250 + 10.500 = 110.000 €

4. Gesamtkosten (Fix + variabel):

Anlage 1: 79.000 + 377.400 = 456.400 €  
Anlage 2: 110.000 + 336.600 = 446.600 €

Entscheidung:

:backhand_index_pointing_right: Anlage 2 ist wirtschaftlicher, da sie die geringeren Gesamtkosten pro Jahr verursacht.
Trotz höherer Investition spart sie 9.800 €/Jahr.


:gear: Aufgabe 12 – Maschinenstundensatz mit vollständiger Fix- und Energiekostenberechnung

Handlungsbereich: Organisation – Kostenrechnung / Maschinenkosten
Firma: GlasVision GmbH


:brick: Ausgangssituation

Die Firma GlasVision GmbH möchte den Maschinenstundensatz einer neuen Glasfräsmaschine ermitteln. Alle relevanten Daten zu Anschaffung, Betrieb und Raumkosten liegen vor.


:magnifying_glass_tilted_left: Gegeben:

Position Wert
Kaufpreis 82.000 €
Zubehör 9.000 €
Transport 4.000 €
Aufstellung & Installation 6.000 €
Preisindex (für Wiederbeschaffung) 39.390 €
Restwert 12.000 €
Nutzungsdauer 5 Jahre
kalk. Zinssatz 8 %
Raumbedarf 16 m²
Raumkosten 80 €/m²·Jahr
Instandhaltungskosten 7 % vom Anschaffungswert
sonstige Fixkosten 500 €/Jahr
Einsatzzeit 800 h/Jahr
Nennleistung 40 kW
Technische Auslastung 60 %
Strompreis 0,10 €/kWh

:magnifying_glass_tilted_left: Aufgabenstellung

a) Ermitteln Sie den vollständigen Maschinenstundensatz unter Berücksichtigung aller relevanten Fixkosten und der variablen Energiekosten.


Lösung

1. Anschaffungswert:

82.000 + 9.000 + 4.000 + 6.000 = 101.000 €

2. Wiederbeschaffungswert:

101.000 € + 39.390 € = 140.390 €

3. Kalk. Abschreibung:

(140.390 € – 12.000 €) / 5 = 25.678 €/Jahr

4. Kalk. Zinsen:

(101.000 € / 2) × 0,08 = 4.040 €

5. Raumkosten:

16 m² × 80 €/m² = 1.280 €

6. Instandhaltungskosten:

7 % von 101.000 € = 7.070 €

7. Sonstige Fixkosten:

500 €

8. Gesamte Fixkosten pro Jahr:

25.678 + 4.040 + 1.280 + 7.070 + 500 = 38.568 €

9. Fixkosten pro Stunde:

38.568 € / 800 h = 48,21 €/h

10. Energiekosten (variabel):

40 kW × 60 % = 24 kW  
24 kW × 0,10 €/kWh = 2,40 €/h

:white_check_mark: Maschinenstundensatz:

48,21 € + 2,40 € = 50,61 €/h

:left_speech_bubble: Aufgabe 13 – Theorie: Vorbereitung und Durchführung von Mitarbeitergesprächen

Handlungsbereich: Organisation – Kommunikation und Führungsinstrumente
Firma: GlasVision GmbH


:brick: Ausgangssituation

Die GlasVision GmbH führt jährlich strukturierte Mitarbeitergespräche zur Leistungsbeurteilung, Zielvereinbarung und Personalentwicklung durch. Sie als Industriemeister sollen dem neuen Bereichsleiter erklären, wie ein solches Gespräch professionell vorbereitet und durchgeführt wird.


:magnifying_glass_tilted_left: Aufgabenstellung

a) Nennen Sie drei organisatorische Maßnahmen, die zur Vorbereitung eines Mitarbeitergesprächs notwendig sind.

b) Beschreiben Sie zwei inhaltliche Schwerpunkte, die während des Gesprächs behandelt werden sollten.

c) Welche zwei Maßnahmen sind für die Nachbereitung eines Mitarbeitergesprächs wichtig?


Lösung

a) Drei organisatorische Maßnahmen zur Vorbereitung:

  • Einladung rechtzeitig aussprechen, ggf. schriftlich mit Angabe von Ort und Dauer
  • Passenden Raum reservieren, störungsfreie Umgebung schaffen
  • Alle Unterlagen (z. B. Leistungsdokumentation, Zielvereinbarungen) zusammenstellen

b) Zwei inhaltliche Schwerpunkte während des Gesprächs:

  • Leistungs- und Verhaltensbeurteilung des Mitarbeiters bezogen auf die vergangene Periode
  • Zielvereinbarungen und Entwicklungswünsche für die kommende Periode, ggf. mit Fortbildungsplan

c) Zwei Maßnahmen zur Nachbereitung:

  • Ergebnisse dokumentieren, z. B. in einem Gesprächsprotokoll
  • Vereinbarte Maßnahmen verfolgen, z. B. Schulungsanmeldungen oder Projektzuweisungen prüfen

:graduation_cap: Aufgabe 14 – Theorie: Führungsverantwortung & Qualifizierung

Handlungsbereich: Organisation – Personalführung & Mitarbeiterentwicklung
Firma: GlasVision GmbH


:brick: Ausgangssituation

Als Industriemeister in der GlasVision GmbH tragen Sie die Verantwortung für einen reibungslosen Produktionsablauf und die kontinuierliche Weiterentwicklung Ihrer Mitarbeitenden. Bei der Delegation von Aufgaben ist insbesondere auf Kontrolle, Qualifizierungsbedarf und Verantwortung zu achten.


:magnifying_glass_tilted_left: Aufgabenstellung

a) Erläutern Sie den Unterschied zwischen Führungsverantwortung und Handlungsverantwortung.

b) Nennen Sie drei Formen der Arbeitskontrolle mit jeweiligem Zweck.

c) Welche Schritte sind zur Ermittlung und Umsetzung von Qualifizierungsmaßnahmen erforderlich?


Lösung

a) Unterschied Führungsverantwortung vs. Handlungsverantwortung:

  • Führungsverantwortung:
    Die Verantwortung für das Gesamtergebnis bleibt immer bei der Führungskraft – sie ist nicht delegierbar.

  • Handlungsverantwortung:
    Wird dem Mitarbeitenden bei der Aufgabenerfüllung übertragen.
    → Führungskraft muss dennoch Kontrolle und Unterstützung sicherstellen.


b) Drei Formen der Arbeitskontrolle:

  1. Selbstkontrolle durch den Mitarbeitenden:
    → Hohe Motivation, Eigenverantwortung

  2. Stichprobenkontrolle:
    → Regelmäßige, repräsentative Prüfung bei Routinearbeiten

  3. Vollkontrolle:
    → Bei komplexen oder sicherheitsrelevanten Aufgaben erforderlich


c) Schritte zur Qualifizierungsmaßnahme:

  1. Qualifizierungsbedarf feststellen:
    → Analyse von Soll- und Ist-Kompetenzen (z. B. bei Aufgabenwechsel)

  2. Maßnahme auswählen und planen:
    → z. B. interne Schulung, externe Weiterbildung, Einarbeitung

  3. Umsetzung und Kontrolle:
    → Schulung durchführen, Erfolgskontrolle (z. B. Praxistransfer prüfen)