Viskosität, Dichte & Transformation - Industriemeister Glas HQ

:ice: Karte 1: Was ist Viskosität?

Definition:
Viskosität beschreibt die Zähflüssigkeit eines Stoffes, also den Widerstand gegen das Fließen.

Einheit:
Pascal-Sekunde (Pa·s) oder häufig in Poise bzw. log η (logarithmische Viskosität in dPas)

Merksatz:
Je höher die Viskosität, desto zähflüssiger ist das Glas.

Beispiel:

  • Bei 1400 °C liegt die log η oft bei 2–4 (relativ dünnflüssig, formbar)
  • Bei 1000 °C kann log η > 10 sein (fest bis halbfest)

:thermometer: Karte 2: Temperaturabhängigkeit der Viskosität

Glas ist viskositätsabhängig von der Temperatur:

Temperaturbereich log η (dPas) Zustand des Glases
> 1200 °C 1–4 sehr dünnflüssig (z. B. Schmelzen)
ca. 1050–1150 °C 5–7 formbar (z. B. Blasen, Walzen)
ca. 700–800 °C 10–12 zähflüssig – Transformationsbereich
< 500 °C >13 festes Glas

:triangular_ruler: Karte 3: Was ist Dichte?

Definition:
Dichte ist das Masse-Volumen-Verhältnis eines Stoffes.

Formel:

rho = m / V

rho = Dichte in g/cm³ oder kg/m³
m = Masse
V = Volumen

Typische Werte für Glas:

  • Flachglas: ca. 2,5 g/cm³
  • Bleiglas: bis 5,5 g/cm³

Merksatz:
Je mehr Schwermetalle im Glas, desto höher die Dichte.


:counterclockwise_arrows_button: Karte 4: Wofür braucht man Viskosität & Dichte in der Praxis?

  • Viskosität bestimmt die Formgebung: Wann ist das Glas „formbar“?
  • Dichte hilft bei:
    • Qualitätskontrolle
    • Bestimmung von Zusammensetzung
    • Simulation von Strömungsverhalten in der Schmelze

Beispiel:
Ein Glas mit hoher Viskosität bei 1200 °C ist schwerer zu verarbeiten – z. B. bei Scherben mit zu hohem Alkaligehalt.


:fire: Karte 5: Transformationspunkt (Tg)

Definition:
Der Transformationspunkt ist die Temperatur, bei der Glas vom plastischen in den festen Zustand übergeht – also der Übergang zwischen zähflüssig und starr.

Typischer Wert für Flachglas:
ca. 520–560 °C

Wichtig für:


:ice: Karte 6: Transformationsbereich

Definition:
Der Temperaturbereich, in dem das Glas nicht mehr plastisch, aber noch nicht vollständig starr ist. Es ist ein Bereich, kein fester Punkt.

Typisch:
ca. 450–550 °C (je nach Glasart)

Im Transformationsbereich passiert:

  • Relaxation von Spannungen
  • Volumenänderung verlangsamt sich
  • Struktur „friert ein“

:test_tube: Karte 7: Warum sind Tg und Viskosität prüfungsrelevant?

  • Für die Steuerung des Kühlprozesses (Abkühlkurve muss unterhalb Tg erfolgen)
  • Bei Tempern und Glaskeramiken
  • Für die Kalkulation der Formgebungstemperaturen

Fragebeispiele aus Prüfungen:

  • „Was versteht man unter dem Transformationspunkt?“
  • „Nennen Sie den Zusammenhang zwischen Temperatur und Viskosität.“
  • „Welche Dichte hat Flachglas typischerweise?“

:white_check_mark: Karte 8: Was du können musst

Thema Verständnis & Können
Viskosität erklären Zähflüssigkeit und Temperaturabhängigkeit
log η Werte deuten z. B. log η = 13 ⇒ Glas ist fest
Dichte berechnen rho = m / V
Tg kennen typischer Tg für Flachglas: ca. 520–560 °C
Transformationsbereich z. B. 450–550 °C
Viskosität in Schmelze für Formgebung und Energieeinsatz relevant

:1234: Übersicht: Viskosität (log η in dPas) und Glaszustände

log η (dPas) Temperaturbereich (ca.) Zustand des Glases Anwendung / Bedeutung
0 – 2 > 1400 °C sehr dünnflüssig (Wasserähnlich) Schmelze → Glas beginnt zu fließen
2 – 4 1350–1450 °C flüssig Einschmelzen im Wannenbereich
4 – 6 1200–1350 °C formbar, blasenfähig Tropfenbildung, Maschinenglasformung
6 – 8 1050–1200 °C zähflüssig, formstabil Tropfenabreißkontrolle, Einspeisen, Walzen
8 – 10 900–1050 °C plastisch Übergang zu halbfest – wichtig für Streckprozesse
10 – 12 750–900 °C sehr zäh Übergangszone zur Spannungshärtung
13 – 14,5 500–750 °C Übergang zum starren Zustand Transformationsbereich – Spannungen frieren ein
> 14,5 < 500 °C fest / starr Kein plastisches Verhalten mehr

:pushpin: Wichtige Fixpunkte:

Bezeichnung log η (dPas) Bedeutung
Arbeitsbereich (formbar) 3 – 6 Glas ist verformbar für industrielle Verfahren
Transformationspunkt (Tg) ca. 13 Glas „friert ein“, Spannung beginnt sich aufzubauen
Erweichungspunkt ca. 7,6 Übergang in plastischen Zustand
Schmelzbeginn ca. 2 – 3 Glas beginnt zu fließen
Fertig geschmolzen < 2 sehr dünnflüssig → homogenisierte Schmelze

:brain: Merksätze für die Prüfung:

  • log η unter 3? → Glas ist flüssig wie Sirup – ideal zum Schmelzen.
  • log η bei 5? → Glas lässt sich formen – ideal für Walzen, Blasen, Pressen.
  • log η über 13? → Glas wird spröde – Vorsicht bei Abkühlung wegen Spannungen!